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| Kleiner, bist du groß geworden! |
Montag, 02.Jul. 2007
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Der alte Fiat 500 war Italiens erster Volkswagen. So viel Ruhm ist nicht wiederholbar. Dafür könnte der Neue eine Lifestyle-Ikone werden - in ganz Europa. Die erste 500-Version, der Frontmotor-Topolino, kam 1936 und verbreitete sich bis 1955 über 500.000 Mal. Die zweite Auflage war eine Art italienischer Käfer: Heckmotor, Heckantrieb, anspruchslose Technik zum günstigen Preis. Zwischen 1957 und 1976 liefen vom Nuova 500 inklusive Kombi und Sondermodellen über 3,7 Millionen Exemplare vom Band. Auf den 500 folgten weitere Fiat-Kleinwagen wie 126, Panda und die 1991 vorgestellte Neuauflage des Cinquecento, aus der später der Seicento entstand. Doch mit Ausnahme des blieben die modernen Turiner Billig-Autos blass und bieder.
Das änderte sich erst 2004: Da stand auf dem Genfer Salon die Studie Trepiuno - der Vorläufer des neuen 500. Die Wiedergeburt des kugeligen Zweitürers ist kein Kassenmodell. Im Gegenteil: Mit Grundpreisen von 10.500 bis 14.500 Euro kostet der Lifestyle-Fiat rund 1500 Euro mehr als die vergleichbare Panda-Ausführung, mit der er sich den Unterbau und die Mechanik teilt. "Das Vorbild für unsere Marketing-Strategie ist der Mini", erklärt Technik-Chef Harald Wester. "Wir reden über das Comeback einer Ikone." Das verpflichtet zu besonderem Feingefühl. Und tatsächlich: Schon der erste Eindruck überzeugt. Der große Kleine wirkt auf Anhieb sympathisch, kombiniert moderne Stilelemente mit Zitaten aus den 50er-Jahren, ist unverwechselbar und ausdruckstark.
Nur 18 Monate vergingen von Designabnahme bis Serienanlauf.In nur 18 Monaten hat Fiat den Wagen von der Designabnahme bis zum Serienanlauf gelotst. Dabei musste die Panda-Technik in Teilbereichen verändert werden, denn die Cinquecento-Optik lebt von extrem kurzen Überhängen, großen Rädern und stark eingezogenen Seitenfenstern. Deshalb bekam der 500 einen neu konstruierten Vorderwagen mit nach hinten versetztem Kühler, verbessertem Fußgängerschutz und einem Plus an passiver Sicherheit durch drei aufprallabsorbierende Verstärkungen. Zusätzlich zu den klassenüblichen sechs Airbags bietet der 500er noch einen siebten Airbag im Fußraum des Fahrers. "Wir haben ein sehr fahraktives Auto gebaut, das trotz des agilen Handlings hohe Komfortansprüche erfüllt", verspricht der für das Chassis zuständige Marco Spinelli. "Ein Beispiel: Die Aufbaubewegungen in schnellen Kurven sind rund zehn Prozent weniger stark ausgeprägt als beim bislang klassenbesten Wettbewerber."
Gegenüber dem Panda erhielt der 500 eine breitere Spur, dickere Stabis, neu abgestimmte Federn und Dämpfer, eine sportlichere Achskinematik mit verändertem Sturz sowie die neueste ABS/ESP-Software mit integriertem Bremsassistenten. Bei den Einstiegsmotoren werden hinten Trommelbremsen verbaut, ab der 100-PS-Maschine sind vier Scheiben Serie. Versprochener Bremsweg von 100 km/h auf null: nur 38 Meter. Für einen Kleinwagen überrascht der Cinquecento mit einem erwachsenen Raumangebot. Selbst im Fond reicht die Beinfreiheit für kurze Strecken völlig aus. Nur der Platz für Hutträger ist begrenzt - hinten durch das kurze Dach und die Heckklappenmimik, vorn durch die Sitze, die sich nicht weit genug verstellen lassen. Der Kofferraum fasst je nach Stellung der Rückbank zwischen 185 und 500 Liter. Wenn das nicht reicht, gibt es für Kleinzeug noch 15 zusätzliche Ablagen.
Drei verschiedene Motoren stehen zur Auswahl
Unter der Haube gibt es zwei Benziner und einen Diesel zur Auswahl.Der je nach Ausführung zwischen 865 und 950 Kilogramm leichte nuova 500 startet mit drei verschiedenen Motoren: 1,2 Liter/69 PS, 1,4 Liter/100 PS sowie 1,3-Liter- EU-5-Diesel mit Partikelfilter/75 PS. Das Grundmodell beschleunigt in 12,5 Sekunden auf 100 km/h, ist 160 km/h schnell und konsumiert im Schnitt 5,1 Liter pro 100 km. Deutlich schärfer gewürzt ist der für Ende 2008 avisierte Abarth, dessen 1,4-Liter-Turbo mit seinen 135 PS sogar den Mini Cooper ärgern dürfte. Ebenfalls in Vorbereitung ist ein Stopp-Start-System für alle 500er, das in Verbindung mit flankierenden Maßnahmen den Verbrauch um drei bis zehn Prozent senken soll. 2010 stehen zwei neue Multiair-Motoren mit elektronischer Ventilverstellung auf dem Programm: ein 0,9-Liter-Zweizylinder-Sauger mit 65 PS und ein 105 PS starker Turbo. Schaltfaule Kunden können für die 1,2- und 1,4-Liter-Maschinen eine Duologic-Halbautomatik ordern. Genauso adrett wie das Äußere des 500 wirkt sein Innenraum. Hier schlägt der kleine Italiener sogar den Mini, der ihm weder in puncto Ergonomie noch bei der Materialqualität das Wasser reichen kann. Drei verschiedene Pakete stehen zur Wahl: Pop (Basis), Lounge (Luxus) und Sport.
Keine Angst vorm Mini
Dazu kommt eine breite Palette an Farben, Stoffen, Oberflächen und Extras. Rein rechnerisch sind 549.000 verschiedene Kombinationen möglich - die Aufkleber für Dach, Türen und Motorhaube nicht mitgezählt. Schon das Basismodell kommt mit Servolenkung, elektrischen Fensterhebern, Zentralverriegelung und einem CD-Radio. Und ab der Lounge-Version sind Klimaanlage, Aluräder und ein Glasdach serienmäßig. Zwei besonders schräge Extras: der Parfümzerstäuber mit Flakons für drei verschiedene Duftnoten und die im Look des Ur-Cinquecento von 1955 bedruckte Schutzhülle - damit der Kleine nicht zu schmutzig wird, wenn er mal länger parkt. Dass sich Fiat nicht vor dem Mini fürchtet, beweist der 1.4 16V Sport. Zu diesem Modell gehören Ferrari-rote Bremssättel, 16-Zoll-Vielspeichenräder mit 195/45er-Reifen und eine Dynamik-Taste, die für promptere Gaspedalreaktionen, ein sportlicheres Motor- Kennfeld und eine direktere Lenkungs-Charakteristik sorgt. Geschaltet wird auf Wunsch über Paddle am Lenkrad. Weil 50 Prozent der Produktion für Italien bestimmt ist und weitere 20 Prozent für Frankreich, wird der Neue bei uns wohl knapp sein. Trotzdem will Fiat eine begrenzte Stückzahl für fünf Euro pro Tag verleasen - als nette Geste zum 50. Geburtstag des Ur-Modells.
Fazit von AUTO BILD-Autor Georg Kacher
Billig sind sie nicht, die neuen Knutschkugeln Fiat 500 und sein Bruder Ford Ka. Aber dafür versprechen sie viel Flair, Top-Qualität und eine interessante Ausstattung. Innen wirkt der Cinquecento zum Beispiel eine ganze Klasse edler als der Mini. Auch bei der Motorenpalette und den Karosserievarianten will Fiat der englischen Ikone einheizen.
http://auto.de.msn.com/testTechnik/artikel.aspx?cp-documentid=5373089 |
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